Erwachte Wut

In mir löst sich etwas. Ungewohnte Wut steckt in mir und ich kann sie nicht darauf fokussieren, wohin sie gehört. Bluffe meinen Freund an, wie ich es noch nie getan habe. Es tut mir leid. Ich weiß einfach nicht wohin mit all der zerstörerischen Kraft, die in mir aufsteigt. Ich glaube, dass es mit dem Übergriff zusammenhängt und nun eine Phase beginnt, in der ich die Gefühle zulasse, die ich hätte damals spüren sollen und nicht konnte. Eigentlich gut.

Gestern hatte ich einen Traum. Ich war in dem Bezirk, in dem ich aufgewachsen bin und doch an einem Punkt, an dem ich keine Orientierung hatte. Ich fragte nach dem genauen Ort, an dem ich gewohnt hatte und ein Passant zeigte mir die Richtung, und auf einen Weg, der mich direkt dort hinführen würde.

Ein schmaler Gehweg, umgeben von Bäumen, fern von Verkehrsstraßen. Ein betonierter Weg, der sich durch ein Wohngebiet zieht. Bei Tageslicht ein einladender Pfad, jetzt in der Dämmerung flößte er mir Angst ein. Bedenken, ob ich ihn tatsächlich nehmen sollte. Ich fasste Mut, schwang mich auf mein Fahrrad, drängte vorbei an einem Wagen, der mitten auf der Straße stand, als wollte er mir den Weg dorthin versperren.

Ich fuhr vorbei, an Kinderspielplätzen, an kleinen Jungen, die mir hinterherriefen, bis zu einer Stelle, die nur knapp 30 Zentimeter breit war, darunter eine Schlucht, wie in einer Bergwüste. Unter mir Wespen, über mir auch. Panische Angst abzustürzen. Schnitt. Ich saß mitten in eine Art Bürocontainer. Um mich herum Personal. An die Unterhaltung dort, kann ich mich nicht erinnern.

Ich erwachte mit angestauter Wut, die mich noch lange in den Tag begleitete. Das fühlt sich nicht gut an.