Schlüssel zum Chaos

Es ist als hätte ich die vergangenen Sitzungen genutzt, um Kraft zu tanken, um zu verarbeiten, was sich unter all den Wunden verbirgt. Ich fühle mich gerade, als hätte ich endlich den Schlüssel zu einem Raum gefunden, der viel über mich verbirgt. In meinem Kopf ist das eine verwüstete Bibliothek; alles in schwarz-weiß, überzogen von einer Staubschicht, umgeworfene Tische und Stühle, Bücher, die verstreut auf dem Boden liegen. Es wird eine Weile dauern, den Raum zu ordnen und zu entdecken. Viel Kraft wird es kosten. Aber zumindest stehe ich nicht mehr vor verschlossener Tür und habe überhaupt ein Bild, was sich dahinter verbirgt.

Der Weg zum Schlüssel begann mit einem Gespräch mit meinem Freund nach meiner letzten Therapiesitzung. Ich erzählte ihm, dass wir nun wieder zu DEM Thema vorgedrungen sind. Und er sagte, wie leid es ihm tue, dass es mich immer noch so beschäftigt. Und das wir dort wohl bald auch über ihn sprechen würden.

„Über dich?“, frage ich. „Na, weil ich nicht da war.“

Mein Freund und ich hatten nie darüber gesprochen: Ich war beruflich in einer fremden Stadt, kannte niemanden und dort geschah der Übergriff. Eine extreme Situation und doch ist er nicht gekommen, um mich zu stützen. Erst drei Wochen danach, an dem Punkt, an dem meine Seele streikte und sich weigerte, einfach so weiterzuarbeiten, fuhr ich für einige Tage zurück nach Hause. Endlich konnte ich mich bei ihm anlegen. Natürlich war ich enttäuscht, dass er nicht gekommen war. Und er hatte ein schlechtes Gewissen, weil er nicht sofort begriff, wie schwerwiegend der Übergriff für mich war. Also schwiegen wir uns darüber aus. Das schien leichter.

Damit habe ich heute die Sitzung eröffnet. Ich habe von unseren Telefonaten nach dem Übergriff erzählt, dass er meinen Schmerz nicht verstand, sondern mir immer sagte, dass ich wütend sein muss auf diesen Typen, dass ich mich nicht hängen lassen soll. Aber ich spürte keine Wut, nur Schmerz. Ich hatte mir meinen Schutzfilm geraubt und seine Ansage, verstand ich nicht als Hilfe, sondern als Angriff. Ich wusste nicht, wohin mich diese Rückblinde in der Therapiesitzung führen würden, aber die Sätze meiner Therapeutin überraschten mich schon: „Ja, aber er hat Recht.“ Er hatte das Gefühl, das ich haben sollte. Wut.

In mir machte sich wieder das Gefühl von damals breit: Angriff. Ich schaltete auf Verteidigung. Das erklärte ich ihr, indem ich noch einmal beschrieb, wie ich mich fühlte, wie auch Freunde mich nicht verstanden. Wie allein ich mit dem Schmerz war. Und sie gab, wie sie es öfter macht nachdem sie merkte, worum sich meine Aussagen kreisen, der Sitzung ein Thema: „Ich glaube, heute geht es um mangelnde Empathie. Um nicht verstanden fühlen. Um einen Schmerz, der nicht gesehen wird.“ Dass selbst Menschen die einem nah stehen, solch einen Situation nicht verstünden, sei normal, sagte sie. Und: Dass diese fehlende Empathie sie noch an etwas anderes erinnere. Und ich verstand sofort.

Mir flossen die Tränen über die Wangen, ununterbrochen. Hier wurde zum ersten Mal die Verbindung zu meinem Vater deutlich. So oft hatte sie schon gesagt, dass sie glaubt, dass ich das Ereignis so schwer verarbeite, weil es auf ein fehlendes Fundament fällt – auf nicht aufgearbeitete Verletzungen aus der Kindheit. Die Gewalt meines Vaters wurde auch nie gesehen. Gedeckt von der Familie wusste niemand, wie mein Vater mich erniedrigte, wie er mich mit einem Holzlöffel verprügelte.

Und wie bei diesem Übergriff, hatte ich als Kind nie irgendwelche sichtbaren Blessuren. Ich hatte keine schlimmen Striemen, wie ich es im Fernsehen gesehen habe, keine blauen Flecken, mit denen ich jemanden überzeugen hätte können, wie schlimm die Gewalt meines Vaters für mich war. Von dem Übergriff hatte ich nur einen kleinen grünen Fleck am Oberschenkel, eine kleine Spur davon, wie er mein Kleid hochriss. Mehr nicht. Von den Schlägen meines Vaters hatte ich nie Blessuren, mal eine aufgeplatzte Lippe, als er einen Schuh nach mir warf. Sonst nichts.

Das verdeckt bleiben der Gewalt hat in mir einen Wunsch hervorgebracht, den ich nie ausgesprochen habe, selbst versucht habe zu verdrängen. Ich fand ihn makaber. In der Therapie habe ich mich getraut: Da niemand die Gewalt meines Vaters wahrnahm und auch meine Mutter sich dem nicht entgegenstellte, wünschte ich mir, dass mein Vater mich eines Tages sexuell missbraucht. Um endlich einen Beweis zu haben, wie schlimm das alles war, und das er ein schlechter Vater ist. Das schien mir damals die einzige Möglichkeit, mein Umfeld davon zu überzeugen. (Wobei natürlich auch Missbrauch in Familien oft unter dem Deckmantel bleibt, aber das hatte ich als Kind nicht auf dem Schirm.)

Dieser Missbrauchswunsch, der in mir schlummerte, führte dazu, dass ich schwer meine eigenen Grenzen setzen konnte. War mir doch auch nie reflektiert worden, dass die Gewalt meines Vaters auch eine Grenzüberschreitung ist. Als Kind begann ich zu denken, naja, wenn niemand etwas sagt, kann es ja nicht so schlimm sein. Und bei diesem Gedanken ertappe ich mich noch heute. Es fiel mir also schwer meine eigenen Grenzen aufzuzeigen, auch wenn ich Männer kennenlernte. Oft habe ich mit Männern etwas angefangen, von denen ich eigentlich nichts wollte. Nie habe ich verstanden wieso.

Durch den tatsächlichen Übergriff ist in mir offenbar eine so tief verborgene Wunde aufgerissen, durch die meine eigenen Grenzen völlig verschwommen sind. Weil was da passierte, ja offenbar als Wunsch in mir schlummerte. Auf irgendeine Art und Weise. Das zu verstehen, habe ich erst begonnen. Aber zumindest kann ich nun klarer sehen, das Chaos in mir. In diesem einen Raum. Das Ordnen und genauer hinsehen, was alles in dieser imaginierten Bibliothek herumliegt, das sind die nächsten Schritte.

 

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Ist das euer Ernst?

Es ist zum Kotzen. Anders kann ich es gerade nicht nennen. Auf Zeit Online steht zurzeit ein Artikel über die Idee des Justizministers Heiko Maas, den Straftatbestand der sexuellen Nötigung und der Vergewaltigung zu verschärfen. Schon ein Nein soll reichen, damit eine Vergewaltigung als Straftat gilt. Und die Reaktion von vermeintlichen Experten: „Zudem solle es eine hohe Dunkelziffer falscher Verdächtigungen geben, die mit der Reform noch steigen könnte. Manche Frau überlege es sich auch erst im Nachhinein, Opfer einer Vergewaltigung geworden zu sein, sagen Experten.“ Die Experten werden vorsichtshalber mal nicht beim Namen genannt.

Und in den Leserkommentaren heißt es: Man sollte sich doch dann bitte um die Frauen kümmern, die sich eine Vergewaltigung ausdenken und so den Mann unter Druck setzen. Geht’s noch?

Es gibt zu dem Thema sehr wenige Untersuchungen. Das Bundesfamilienministerium hat allerdings vor einigen Jahren eine sehr umfangreiche Befragung von Frauen durchgeführt, die zum Ergebnis kommt: Nur ein Prozent der Vergewaltigungen sind ausgedacht. Und überhaupt, nur vier Prozent der Frauen trauen sich überhaupt eine Vergewaltigung vor Gericht anzuzeigen. Eben genau aus diesem Grund: Wenn Aussage gegen Aussage steht, taucht oft der Vorwurf auf, die Frau habe sich das nur ausgedacht.

Für Frauen bedeutet das eine Retraumatisierung. Und die Folge: Viele Vergewaltigungen bleiben unbestraft und die Frauen mit dem Trauma allein. Wir reden ständig darüber, wie emanzipiert die Frauen in Deutschland sind, und blicken klischeehaft auf Frauen in der islamischen Welt: Aber Fakt ist, dass jede siebte Frau in Deutschland schon sexuelle Gewalt erlebt hat. Bei fast der Hälfte war es der Partner, oft sind es Freunde, Bekannte oder der Nachbar. Wenn Frauen den Täter kennen, fällt es ihnen besonders schwer ihn anzuzeigen.

Es ist also gut, dass wir eine Debatte darüber führen, wie Frauen besser geschützt werden können und auch vor Gericht zu ihrem Recht kommen. Aber bitte: Ernsthaft und ohne in die Aber-dann-müssen-wir-auch-Kiste zu greifen.

Traumfänger

Von Berlin nach Brasilien in wenigen Sekunden. Dorthin wo es warm ist. Das ist erst einmal super. Ich stehe neben meinem ausgebreitetem Handtuch auf einer Steinklippe. Unter mir eröffnet sich ein Blick wie aus einem Sciencefiction-Film. Etwas futuristisch sieht die Stadt aus. Ich habe kein scharfes Bild davon, aber es ist grau und direkt am Wasser. Jemand warnt mich, dass ich von hier oben bloß nicht ins Wasser fallen soll. Die See sieht harmlos aus, aber es gebe Strömungen, die dich in den Tod reißen.

Plötzlich taucht neben mir ein Mann auf. Ich kann mich an ihn nicht erinnern. Nur daran, dass er mir Angst macht. Ich kann nicht weg, stehe am Rand der Klippe, das Wasser im Augenwinkel. Obwohl ich will, dass der Mann verschwindet sage ich nichts. Warte ab. Sage mir selbst: Es wird bestimmt nichts passieren. Im Traum gibt es kein Gefühl für Zeit, aber irgendwann kommen Freundinnen, die ihr Handtuch neben meines legen. Und ihn verjagen. Das gute ist: Mir ist nichts passiert. Zurück bleibt das Gefühl, allein nicht die Kraft gehabt zu haben, ihn fortzujagen.

Meine Kraftsätze haben offenbar im Traum noch keine Wirkung. Aber es kann auch sein, dass Träume hinterherhinken.

Leserbrief

S. Paar hat sich beim Missy Magazin beschwert, wie mein Blog in der Zeitschrift vorgestellt wurde. Paar kritisiert: „Die Strategien die Frauen zu ihrer Verteidigung entwickeln werden nicht erwähnt und damit die Machtlosigkeit der Opfer nicht einmal beschrieben, sondern vorausgesetzt.“ So habe ich „Glück“ gehabt, dass ich nicht vergewaltigt worden sei. Und: „Die Schreie hatten ihn in die Flucht geschlagen, nicht die Frau, die geschrien hat.“

IMAG2380 KopieDiese Worte hallen seit Tagen in mir nach. Und jetzt haben sie ein Tor aufgestoßen, das ich lange versucht habe zu öffnen: Das Tor zwischen Hirn und Herz. Etwas theoretisch Logisches, scheine ich langsam auch emotional wahrzunehmen.

Klar, schon mehrere Personen haben mir gesagt, dass ich stark sei. Dass ich ihn vertrieben habe. Zum Beispiel am Frauennotruftelefon meinte eine Mitarbeiterin: „Gratulation, mit IHREN Schreien haben Sie ihn vertrieben.“ Mein Freund hat es ebenfalls mehrmals gesagt und es war auch schon Thema in der Therapie. Die Worte klangen auch logisch. Aber in meinem Unterbewusstsein ist es nicht angekommen. Es schwang sogar ein zweifelndes Gefühlt mit: Naja, das müssen sie ja bestimmt sagen, um mich aufzubauen.

Der Leserbrief hat jedoch irgendetwas in mir ausgelöst. Vielleicht weil er die Situation allgemein betrachtete und es nur indirekt um mich ging. – Ich fühlte mich stark. ICH habe ihn durch meine Schreie vertrieben. Habe nicht zugelassen, dass er mich weiter erniedrigt. Und das versuche ich mir nun einzubleuen.

Meine Therapeutin hat mir vor ein paar Tagen eine Heilübung mitgegeben, durch die ich mein Gehirn anrege und meinen traumatischen Erinnerungen, etwas Positives entgegensetzte. Dosis: drei Mal täglich. Dafür soll ich meine Hände in vier verschiedene Positionen um meinen Kopf halten. Alle 30 Sekunden eine andere. Und meine negative Erinnerung hervorrufen und mir immer wieder sagen, was ich dem positivem zu entgegnen habe.

Ich saß also im Schneidersitz auf dem Sofa, die Finger wie Buddha gespitzt, direkt vor meinem Kopf. Ich versetzte mich in diese Nacht zurück und zum ersten Mal habe ich es nicht aus der Vogelperspektive gesehen. Sondern ich lag auf dem Bürgersteig, mein Blick war nach oben gerichtet und ich sah seinen Hinterkopf weglaufen. Und immer wieder sagte ich mir die Worte: Ich habe ihn vertrieben. Ich habe ihn vertrieben. Danke dafür S. Paar.

Die ersten Tage

Ich muss gerade viel an die ersten Tage nach dem Übergriff denken. Ich weiß noch wie ich gleich am nächsten Morgen zur Arbeit gegangen bin, weil ich mir durch diese „Sache“ nichts nehmen lassen wollte. Ob man mir diese Nacht ansieht, habe ich mich gefragt. Dass es mir nicht gut ging, muss man denke ich gesehen haben. Meine Augen waren so aufgequollen vom vielen Weinen und ständig stieg mir das Wasser in die Augen, das ich versuchte unter Kontrolle zu halten.

Mir war als ich 16 Jahre alt war schon mal ein Mann gefolgt, der versucht hatte mir zwischen die Beine zu gehen. Über Minuten rannte er hinter mir her. Ich war schneller. Monate hatte mich das aus der Bahn geworfen. Aber nun war ich Ende zwanzig und aus irgendeinem Grund dachte ich: Ich bin eine erwachsene Frau. Ich werde das ja wohl irgendwie aushalten.

Ich weiß nicht, ob es das Richtige war, mich in Arbeit zu stürzen. Es schien mir jedoch eine gute Ablenkung. Denn allein zu Hause zu sein, war noch schlimmer. Sobald nach Feierabend die Tür hinter mir ins Schloss fiel, stürzte alles über mir zusammen. Nachts traute ich mich nicht mehr raus. Über Wochen. Einmal hatte ich einen Termin, der unweigerlich länger dauerte und ich im Dunkeln nach Hause musste. Eine Qual. Ich wählte die Nummer eines Freundes nach dem anderen, bis einer abhob. Ich wollte nicht allein sein, wollte am anderen Ende eine vertraute Stimme haben, die mich begleitet.

Mir war klar, dass telefonieren mich nicht vor einem weiteren Übergriff schützen würde. Das hatte ich um ehrlich zu sein bis dahin gedacht: Wenn man telefoniert, dann wird man in Ruhe gelassen. Und ich habe Freundinnen, die auch so dachten. Aber in dieser einen Nacht sprach ich mit einem Bekannten am Telefon und es passierte dennoch.

Kurz bevor es passierte, beschlich mich ein ungutes Bauchgefühl – was wohl viele Frauen haben, bevor sie überfallen werden, wurde mir gesagt. Ich erinnere mich noch, wie ich am Telefon sagte: „Ich glaube, jemand will meine Handtasche klauen.“ Und schob meinen Beutel vor meine Brust. Das Smartphone in der Hand, die Tasche fest umklammert. Keine Hand frei, um schnell zu reagieren.

Als das Handy auf den Boden knallte, hörte mein Bekannter am Telefon meine Schreie – ein Tonzeuge. Er dachte im ersten Moment, ich würde einen schlimmen Unfall sehen oder meine Handtasche sei tatsächlich gestohlen worden – auch ihm fehlte wie mir zuvor die Vorstellungskraft, dass ein Mann mir das Kleid hochreißen könnte, um sein Becken gegen meines zu stoßen.

Ich habe oft mit ihm danach telefoniert, aus dem Gefühl heraus, er würde mich am besten verstehen, weil er alles gehört hatte. Denn ich musste erfahren, dass selbst gute Freunde der Situation hilflos gegenüberstanden: „Ach, das war bestimmt ein Junkie“, sagte einer meiner besten Freunde als ich ihm davon erzählte. „Das darfst du nicht so ernst nehmen.“ Mit ihm habe ich nie wieder darüber gesprochen.

Der Entschluss

Es gibt keinen Tag, an dem er nicht läuft, dieser Film in Endlosschleife: Ich, wie ich mich krümme. Er direkt hinter mir. Sein Becken gegen meinen Po stoßend. Viermal. Fünfmal. Sechsmal. Ich kann mich nicht erinnern wie oft. Will es nicht zählen. In meinem Kopf schieben sich Bilder ohne diesen Mann dazwischen, Momente wie Diabilder an einer Wand: mein Smartphone wie es auf den Boden liegt, der grauschwarze Asphalt, im Licht der Straßenlaterne. Aus dem Off meine Schreie, die an meinen Stimmbändern reißen.

Nur wenige Minuten zuvor hatte ich noch in einer Eckkneipe auf der Terrasse gesessen, blickgeschützt von Blättern. Wie ein Haus umschlossen sie die wenigen Quadratmeter, auf der nur Platz für vier Tische war. Zwei hatten wir zusammengeschoben, wie so oft. Ich bestellte wie jedes Mal eine große Apfelschorle. Später, als die Polizei eintraf und ich meinen Abend für sie rekapitulieren musste, betonte ich, dass ich nur eine Apfelschorle getrunken habe – als müsste ich einen Beweis dafür liefern, dass ich nicht getrunken habe. Schuldlos bin, was passierte.

Es waren nur wenige Sekunden. Meine Schreie haben ihn vertrieben. Das haben mir andere später erklärt. Nun ist es schon fast ein Jahr her. Und noch immer sitzt die Angst in mir, wenn es dunkel wird, dass es wieder passiert.

Ständig stelle ich mir die Frage, wie offen ich als Frau mit „dieser Situation“, wie ich es immer nenne, umgehe. Ich habe nach dem Übergriff viele Studien gelesen, sie verschlungen, als müsste ich mich dieser Informationsflut stellen. Eine Metaebene durch mein eigenes Erleben ziehen. Ich bin Journalistin. Und damit stand automatisch die Frage im Raum: Will ich darüber schreiben? Kann ich durch mein Schreiben ein Schweigen durchbrechen? Viele Frauen sprechen nicht über sexuelle Übergriffe. Damit bleibt es im Dunkeln.

Privat gehe ich damit sehr offensiv um. Aber damit in die Öffentlichkeit gehen? Mit dem, was mich in meinen Sicherheitsgefühl erschüttert hat? Mit dem, was mich noch destabilisiert? Die Kraft darüber mit Klarnamen zu schreiben habe ich nicht. Und doch ist es mir ein Anliegen zu zeigen, was es mit einem macht, wie man aufgefangen wird (oder eben nicht). Also habe ich beschlossen, darüber anonym zu bloggen. Auch in der Hoffnung, es nicht – wie sonst so oft – in meinem Innersten zu begraben.