Feuer

Es riecht nach Rauch. Nicht nach Rauch wie beim Grillen. Nach Rauch als würde etwas Brennen. Beißend in der Nase, kohlig. Ich stehe auf dem Balkon im obersten Stock des Wohnhauses, in dem ich seit fast fünf Jahren wohne. Ich blicke auf die Glut, die in dem großen Blumenkübel noch hin und her springt, als könnte sie um ihr Überleben kämpfen.

Ich habe das Kleid angezündet. Das Kleid, von dem ich schrieb. Das Kleid, das ich an DEM Abend trug. Dunkelblau, Leinenstoff, leicht tailliert geschnitten, elegant. Lange lungerte es in meinem Regal, unbeachtet und doch gesehen. Ich wusste nicht, was ich damit tun soll. Nun mache ich gerade Platz, miste aus: Herbstputz. Da fiel es mir in die Hand.

Ich fühle den Stoff und weiß: Ich werde es zerstören, aus meinem Leben verbannen. Ich habe es den Sommer nicht getragen. Werde es nicht mehr tragen. Es muss weg. Ich nehme eine Schere. Fange an, wild drauf los zu schneiden: Von oben durch den Kragen, hinten durch den Rücken. Ich schluchze, weine, verfluche diese Nacht, die nun schon über ein Jahr zurückliegt.

Die einzelnen Fetzen zünde ich nach und nach an, werfe sie in den Kübel, der vor Hitze knistert. Er bricht. Ein Riss durchzieht ihn vom Boden bis zum oberen Rand. Als hätte der Kübel verstanden, wofür dieses Kleid steht.