Spiegelnde Traumwelt

Die letzten Sitzungen waren ruhig; ohne Tränen. Ich habe das Gefühl, dass mein Körper gerade eine Pause fordert, indem er mich nicht allzu tief in mein Innerstes blicken lässt. Die Gespräche sind zurzeit wieder recht alltäglich. Doch das Unterbewusstsein ackert, wie mein Traum von letzter Nacht zeigt:

Ich kann nicht beschreiben, wo genau ich war. Es war wie ein Labyrinth aus Zimmern, überall hüllte das Licht die Räume in ein kaltes orange. Von draußen drang Schwärze hinein. Wir (wer wir ist, weiß ich nicht) flohen von einem Zimmer ins andere. Doch es gab kein entkommen vor diesem Mann, jung und groß. Er begann mich mit langen, spitzen Gegenständen zu foltern. Überall hatte ich blutende Punkte am Körper.

Dann schliefen wir miteinander. Doch er wollte danach nicht bleiben, ging, und ließ mich zurück. Allein mit dem Gefühl, es nicht wert zu sein, geliebt zu werden.

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Aufgewühlt

Die letzten Therapiesitzungen waren so aufwühlend, dass ich nun total nah am Wasser gebaut bin. Ich träume schlecht: Situationen in denen ich ignoriert und erniedrigt werde. Wache weinend auf – so ist es schwer in den Tag zu starten. Draußen regnet es. Ein Sonntag, der einen regelrecht auffordert im Bett zu bleiben. Doch ich muss später noch etwas Arbeiten und mir fehlt jegliche Kraft dafür, mich aufzuraffen. Mein Innerstes bebt.

Schlüssel zum Chaos

Es ist als hätte ich die vergangenen Sitzungen genutzt, um Kraft zu tanken, um zu verarbeiten, was sich unter all den Wunden verbirgt. Ich fühle mich gerade, als hätte ich endlich den Schlüssel zu einem Raum gefunden, der viel über mich verbirgt. In meinem Kopf ist das eine verwüstete Bibliothek; alles in schwarz-weiß, überzogen von einer Staubschicht, umgeworfene Tische und Stühle, Bücher, die verstreut auf dem Boden liegen. Es wird eine Weile dauern, den Raum zu ordnen und zu entdecken. Viel Kraft wird es kosten. Aber zumindest stehe ich nicht mehr vor verschlossener Tür und habe überhaupt ein Bild, was sich dahinter verbirgt.

Der Weg zum Schlüssel begann mit einem Gespräch mit meinem Freund nach meiner letzten Therapiesitzung. Ich erzählte ihm, dass wir nun wieder zu DEM Thema vorgedrungen sind. Und er sagte, wie leid es ihm tue, dass es mich immer noch so beschäftigt. Und das wir dort wohl bald auch über ihn sprechen würden.

„Über dich?“, frage ich. „Na, weil ich nicht da war.“

Mein Freund und ich hatten nie darüber gesprochen: Ich war beruflich in einer fremden Stadt, kannte niemanden und dort geschah der Übergriff. Eine extreme Situation und doch ist er nicht gekommen, um mich zu stützen. Erst drei Wochen danach, an dem Punkt, an dem meine Seele streikte und sich weigerte, einfach so weiterzuarbeiten, fuhr ich für einige Tage zurück nach Hause. Endlich konnte ich mich bei ihm anlegen. Natürlich war ich enttäuscht, dass er nicht gekommen war. Und er hatte ein schlechtes Gewissen, weil er nicht sofort begriff, wie schwerwiegend der Übergriff für mich war. Also schwiegen wir uns darüber aus. Das schien leichter.

Damit habe ich heute die Sitzung eröffnet. Ich habe von unseren Telefonaten nach dem Übergriff erzählt, dass er meinen Schmerz nicht verstand, sondern mir immer sagte, dass ich wütend sein muss auf diesen Typen, dass ich mich nicht hängen lassen soll. Aber ich spürte keine Wut, nur Schmerz. Ich hatte mir meinen Schutzfilm geraubt und seine Ansage, verstand ich nicht als Hilfe, sondern als Angriff. Ich wusste nicht, wohin mich diese Rückblinde in der Therapiesitzung führen würden, aber die Sätze meiner Therapeutin überraschten mich schon: „Ja, aber er hat Recht.“ Er hatte das Gefühl, das ich haben sollte. Wut.

In mir machte sich wieder das Gefühl von damals breit: Angriff. Ich schaltete auf Verteidigung. Das erklärte ich ihr, indem ich noch einmal beschrieb, wie ich mich fühlte, wie auch Freunde mich nicht verstanden. Wie allein ich mit dem Schmerz war. Und sie gab, wie sie es öfter macht nachdem sie merkte, worum sich meine Aussagen kreisen, der Sitzung ein Thema: „Ich glaube, heute geht es um mangelnde Empathie. Um nicht verstanden fühlen. Um einen Schmerz, der nicht gesehen wird.“ Dass selbst Menschen die einem nah stehen, solch einen Situation nicht verstünden, sei normal, sagte sie. Und: Dass diese fehlende Empathie sie noch an etwas anderes erinnere. Und ich verstand sofort.

Mir flossen die Tränen über die Wangen, ununterbrochen. Hier wurde zum ersten Mal die Verbindung zu meinem Vater deutlich. So oft hatte sie schon gesagt, dass sie glaubt, dass ich das Ereignis so schwer verarbeite, weil es auf ein fehlendes Fundament fällt – auf nicht aufgearbeitete Verletzungen aus der Kindheit. Die Gewalt meines Vaters wurde auch nie gesehen. Gedeckt von der Familie wusste niemand, wie mein Vater mich erniedrigte, wie er mich mit einem Holzlöffel verprügelte.

Und wie bei diesem Übergriff, hatte ich als Kind nie irgendwelche sichtbaren Blessuren. Ich hatte keine schlimmen Striemen, wie ich es im Fernsehen gesehen habe, keine blauen Flecken, mit denen ich jemanden überzeugen hätte können, wie schlimm die Gewalt meines Vaters für mich war. Von dem Übergriff hatte ich nur einen kleinen grünen Fleck am Oberschenkel, eine kleine Spur davon, wie er mein Kleid hochriss. Mehr nicht. Von den Schlägen meines Vaters hatte ich nie Blessuren, mal eine aufgeplatzte Lippe, als er einen Schuh nach mir warf. Sonst nichts.

Das verdeckt bleiben der Gewalt hat in mir einen Wunsch hervorgebracht, den ich nie ausgesprochen habe, selbst versucht habe zu verdrängen. Ich fand ihn makaber. In der Therapie habe ich mich getraut: Da niemand die Gewalt meines Vaters wahrnahm und auch meine Mutter sich dem nicht entgegenstellte, wünschte ich mir, dass mein Vater mich eines Tages sexuell missbraucht. Um endlich einen Beweis zu haben, wie schlimm das alles war, und das er ein schlechter Vater ist. Das schien mir damals die einzige Möglichkeit, mein Umfeld davon zu überzeugen. (Wobei natürlich auch Missbrauch in Familien oft unter dem Deckmantel bleibt, aber das hatte ich als Kind nicht auf dem Schirm.)

Dieser Missbrauchswunsch, der in mir schlummerte, führte dazu, dass ich schwer meine eigenen Grenzen setzen konnte. War mir doch auch nie reflektiert worden, dass die Gewalt meines Vaters auch eine Grenzüberschreitung ist. Als Kind begann ich zu denken, naja, wenn niemand etwas sagt, kann es ja nicht so schlimm sein. Und bei diesem Gedanken ertappe ich mich noch heute. Es fiel mir also schwer meine eigenen Grenzen aufzuzeigen, auch wenn ich Männer kennenlernte. Oft habe ich mit Männern etwas angefangen, von denen ich eigentlich nichts wollte. Nie habe ich verstanden wieso.

Durch den tatsächlichen Übergriff ist in mir offenbar eine so tief verborgene Wunde aufgerissen, durch die meine eigenen Grenzen völlig verschwommen sind. Weil was da passierte, ja offenbar als Wunsch in mir schlummerte. Auf irgendeine Art und Weise. Das zu verstehen, habe ich erst begonnen. Aber zumindest kann ich nun klarer sehen, das Chaos in mir. In diesem einen Raum. Das Ordnen und genauer hinsehen, was alles in dieser imaginierten Bibliothek herumliegt, das sind die nächsten Schritte.

 

Gelüfteter Schleier

Drei Mal die Woche habe ich Therapie. Und es ist oft die dritte Sitzung, die sich so leer und schwer anfühlt – zumindest am Anfang der Stunde. Das Offensichtliche ist bereits erzählt und dann füllt sich der Kopf mit Leere. So wie heute.

„Haben wir noch ein Thema auf der Liste?“, frage ich meine Therapeutin. Denn wir sind schon oft tief in mein Innerstes gereist und am Ende der Stunde war klar, dass es zu diesem Aspekt noch viel zu analysieren gibt. Doch es gibt keine Liste. „Und selbst wenn“, sagt sie, „wird sie mir kein Thema vorgeben.“ Ich muss lachen. Ein Versuch war es wert. Ich weiß ja: Eine Analyse funktioniert so nicht. Es geht darum den Körper durch die eigenen Worte dahin zu leiten, wohin er bereit ist zu gehen.

Heute habe ich keine Ahnung, wohin ich blicken will. Beginne nach einer kurzen Pause davon zu erzählen, dass der Übergriff mich noch beschäftigt, wenn ich durch die Straßen laufe. Ich erzähle das, was ich im letzten Blogbeitrag geschrieben habe. Lange haben wir nicht mehr über diese eine Nacht gesprochen. Es gab andere Themen, die mich bewegten: Mein Vater. meine Mutter. Dinge aus der Kindheit.

So wie ich von den Bildern der ersten Tage erzähle, die in dieser Nacht vor wenigen Wochen wieder in mir aufstiegen, verbreitete ich ein komisches Gefühl im Raum, das erst einmal nur meine Therapeutin spürte. Ich wirke abschweifend beim Erzählen, sagt sie. Abschweifend. Mmh, damit kann ich nichts anfangen. Unbeteiligt vielleicht, sage ich. Und dann: Vielleicht will ich mir nicht eingestehen, wie präsent das Thema noch ist.

„Was denken Sie denn genau, wenn Sie durch die Straßen gehen und sie der Übergriff begleitet?“, fragt sie dann. Und mir entwischt ein vibrierendes Pusten, als wüsste man die Antwort auf eine schwierige Frage nicht und es würde nun einem nun besonders viel Kraft kosten, da eine gute Antwort zu geben. Ich muss lachen. Da scheint wirklich etwas in mir, nicht hinschauen zu wollen.

Ich konzentriere mich. Will ja eigentlich über das Thema reden. Und erzähle von einem Abend vor drei Wochen,  an dem ich auf dem Weg in eine Bar war. Freitags. Nach einer langen Woche. Geplättet. Ein Treffen mit anderen Journalisten ist die Option. Mein Freund will nicht mit und ich kann es verstehen. Zu oft drehen sich diese Abende um Arbeit. Und was ist mit mir? Habe ich Lust allein dort hinzugehen? Oder will ich lieber auf das Sofa zu meinem Freund schlüpfen?

Sei nicht so unsozial, sage ich mir. Du musst unter Leute. Zu oft bin ich kaputt und das Sofa gewinnt. Also entscheide ich mich, alleine hinzufahren – schon den Weg vor Augen, den ich alleine laufen muss. Und dann. Dann ist sie da, die Verbindung zu dieser einen Nacht.

Auch da habe ich nach einem langen Arbeitstag entschieden, doch noch in die Bar zu den Kollegen zu gehen. Und auf dem Rückweg ist es passiert. Was wenn es jetzt wieder so ist? Wenn ich genau jetzt, wo ich wieder entschieden habe, mir einen schönen Abend zu machen, ich auf dem Weg überfallen werde. Wie ein Ohmen quasi.

Auf dem Sofa liegend steigen in mir die Tränen auf. Leises Weinen. Ich kann nur schwer weiter Sprechen. Kaum Atmen. Meine Nase ist dicht. Ich habe den Schleier gehoben, dass was ich so lange als Normal deklariert habe, ohne es wirklich weiter zu erfühlen.

Ich erzähle, dass ich noch immer dieses eine Bild vor Augen habe, wenn ich daran denke: Die parkenden Autos in dem orangen Straßenlaternenlicht, dahinter die flachen Altbauten und dazwischen dieser Kopf eines jungen Mannes, dessen Gesicht unkenntlich bleibt. „Und was fühlen Sie, wenn Sie dieses Bild sehen?“, fragt sie mich. Ich fange bitterlich an zu weinen. Kann mich nicht mehr halten. Sie interpretiert. „Sie fühlen nichts“, sagt sie für mich. Ich nicke. „Eigentlich nicht.“

Ich habe noch keinen Zugriff auf meine Gefühle, was den Übergriff betrifft. Bin voll im Verdrängungsmodus.

Schweres Gemüt

Gerade sind die Tage nach dem Übergriff so präsent. Ich weiß nicht wieso. Gestern war ich mit einem meiner Freunde etwas essen und wir haben viel darüber geredet, inwieweit man bestimmte Dinge aus der Vergangenheit mit seinen Freunden teilen sollte. Ob es etwas bringt, oder eben nicht. Ich rede schon ab und an darüber, aber wirklich selten. Aber es kommt auch so selten zu dem Thema. Ob das der Auslöser war?

Auf dem Weg nach Hause, kurz nach Mitternacht, als ich mit den flachen Absätzen meiner Schuhe besonders stark und laut auftrat, als könnte das Klacken meine Angst vertreiben. Den passierenden Gestalten das Gefühl geben, ich sei stark. Es lohne sich erst gar nicht mich anzugreifen. Ich überquerte die schneebedeckten Straßenbahngleise, ließ zwei Männer hinter mir und war allein auf dem Bürgersteig.

Da kamen die Gedanken, wie ich nach dem Übergriff durch die Redaktion bewegte, mit dem Willen zu funktionieren, mich nicht brechen zu lassen. Und offenbar doch ein sichtbares Quälen mit mir Rumtragend, da mich ein Kollege ansprach, ob mit mir alles in Ordnung sei. Die Frage hebelte meine Kontrolle aus, und Tränen schossen in meine Augen. Mit diesen Bildern im Kopf klackerte ich über den verlassenen Gehweg und es ergriff mich eine tiefe Traurigkeit, die sich eingenistet hat – auch jetzt beim Aufwachen.

Noch immer gibt es keinen Schritt den ich in der Dunkelheit mache, ohne nicht daran zu denken. Es ist eine Schwere, die aufs Gemüt drückt, die ich so gern abschütteln würde.

Fertig verhandelt

Ich habe mich entschieden: Ich habe meine geplante Tunesienreise gekürzt. Von drei auf eine Woche. Ich habe mich nicht getraut allein Urlaub zu machen. Werde somit nur für eine Woche einen Freund besuchen. Da kann ich dann austesten, wie ich mich fühle, allein unterwegs zu sein, wenn er auf Arbeit ist, oder beschäftigt. Aber hey, Schritt für Schritt.

Ist das euer Ernst?

Es ist zum Kotzen. Anders kann ich es gerade nicht nennen. Auf Zeit Online steht zurzeit ein Artikel über die Idee des Justizministers Heiko Maas, den Straftatbestand der sexuellen Nötigung und der Vergewaltigung zu verschärfen. Schon ein Nein soll reichen, damit eine Vergewaltigung als Straftat gilt. Und die Reaktion von vermeintlichen Experten: „Zudem solle es eine hohe Dunkelziffer falscher Verdächtigungen geben, die mit der Reform noch steigen könnte. Manche Frau überlege es sich auch erst im Nachhinein, Opfer einer Vergewaltigung geworden zu sein, sagen Experten.“ Die Experten werden vorsichtshalber mal nicht beim Namen genannt.

Und in den Leserkommentaren heißt es: Man sollte sich doch dann bitte um die Frauen kümmern, die sich eine Vergewaltigung ausdenken und so den Mann unter Druck setzen. Geht’s noch?

Es gibt zu dem Thema sehr wenige Untersuchungen. Das Bundesfamilienministerium hat allerdings vor einigen Jahren eine sehr umfangreiche Befragung von Frauen durchgeführt, die zum Ergebnis kommt: Nur ein Prozent der Vergewaltigungen sind ausgedacht. Und überhaupt, nur vier Prozent der Frauen trauen sich überhaupt eine Vergewaltigung vor Gericht anzuzeigen. Eben genau aus diesem Grund: Wenn Aussage gegen Aussage steht, taucht oft der Vorwurf auf, die Frau habe sich das nur ausgedacht.

Für Frauen bedeutet das eine Retraumatisierung. Und die Folge: Viele Vergewaltigungen bleiben unbestraft und die Frauen mit dem Trauma allein. Wir reden ständig darüber, wie emanzipiert die Frauen in Deutschland sind, und blicken klischeehaft auf Frauen in der islamischen Welt: Aber Fakt ist, dass jede siebte Frau in Deutschland schon sexuelle Gewalt erlebt hat. Bei fast der Hälfte war es der Partner, oft sind es Freunde, Bekannte oder der Nachbar. Wenn Frauen den Täter kennen, fällt es ihnen besonders schwer ihn anzuzeigen.

Es ist also gut, dass wir eine Debatte darüber führen, wie Frauen besser geschützt werden können und auch vor Gericht zu ihrem Recht kommen. Aber bitte: Ernsthaft und ohne in die Aber-dann-müssen-wir-auch-Kiste zu greifen.

Reisepläne

Ich wachse! Ich habe zum ersten Mal das Gefühl, dass ich ein paar Schritte gegangen bin – auch wenn es nur Tippelschritte sind. Wo soll ich anfangen? Ich plane nach Tunesien zu fahren, einen Freund besuchen und eigentlich wollte ich noch eine Woche im Hotel Urlaub machen. Leider hat keiner meiner Freunde Zeit – Kinder, Männer, Arbeit; das übliche. Alleine fahren, eigentlich für mich kein Problem. Früher zumindst. Jetzt habe ich irgendwie Angst davor. Mir das einzugestehen, hat schon Tage gedauert. Ja, ich habe Angst. Ich fühle mich gerade nicht sicher allein, in einer Gegend, die ich nicht kenne.

Noch immer spürt jede meiner Zellen, dieses Gefühl der Unsicherheit, wenn es dunkel wird. Als hätten sie es für immer verinnerlicht. Dann sitzt dieses dumpfe Gefühl im Nacken, das mich ständig hinter mich blicken lässt, vorbei an meiner Kapuze. Manchmal drängt sich sogar das Gefühl auf, einfach nach Hause zu rennen.

Heute habe ich in der Therapie über meine Angst, allein zu verreisen, gesprochen. Und mir wurde bewusst: Allein, dass ich in Erwägung ziehe, allein weg zu fahren, ist ein erster Schritt. Noch vor einem halben Jahr wäre gar nicht der Gedanke aufgekommen. Somit ist es gut, dass es die Reisepläne gibt. Ich habe das Gefühl, dass ich mich meiner Angst stellen muss. Ins kalte Wasser springen. Am Wochenende werde ich die Tickets buchen. Ich muss mit mir die nächsten Tage noch verhandlen, wie viel Tage allein ich wohl aushalte. (:

Impfstoff

Vor zwei Tagen habe ich mal meine Impfung auffrischen lassen: Tetanus, Keuchhusten etc. Das war längst überfällig. Und nun liege ich flach. Heute Morgen schleppte ich mich völlig schlapp in die Therapie. Langsam war ich, aiaiaia. (Da muss ich gleich an die Worte meiner 88-jährigen Oma denken, die immer sagt: Ich bin so langsam, ich könnte mir selbst in den Po treten.) Als ich um 8:30 Uhr auf dem Sofa lag, fing ich bei den Worten an zu weinen: Ich wurde geimpft. Was ist denn da los?, dachte ich mir. Wieso kommen denn jetzt Tränen.

Ich muss sagen, dass ich jemand bin, der keine Angst vor Spritzen hat und immer besonders cool versuche, damit umzugehen. Wie denn die Impfung gewesen war?, fragte meine Therapeutin. Sie könne sich vorstellen, dass für jemanden, bei dem die eigenen Grenzen gerade nicht so fest sind, weil sie überschritten wurden, dass selbst eine Impfung mich aufwühlt. Und es gibt diese Momente, in denen diese Frau Thesen aufstellt und ich mir denke: Krass, das fühlt sich richtig an und erklärt die Emotion. Erklärt wieso ich erstmals völlig verkrampft da saß, als die Krankenschwester mit der Spritze neben mir stand.

Nächste Woche mache ich eine Zahnreinigung. Das könnte mich auch aufwühlen. Und ganz ehrlich: Das das so seine könnte, und bei der Impfung offenbar so ist, finde ich doch seltsam. Strange world.

PS: Gucke gerade viele Serien auf Englisch. Und natürlich nicht nur eine am Tag (: Das gibt meiner Sprache zurzeit einen englischen Einschlag